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Jnana-Yoga – der Weg des Wissens, der Erkenntnis

 

Ich hatte Anfang Dezember 2017 die große Ehre, dass ich mich mit einem der besten Yogaphilosophen, außerordentlichen Kenner der Sutren nach Patanjali und Yogalehrer unserer Zeit unterhalten durfte. Ganz alleine. Drei Stunden lang hat er mir meine Fragen beantwortet. Ich werde immer in tiefster Dankbarkeit dafür sein, dass er mit mir seine kostbare Zeit und sein enormes Wissen bereitwillig geteilt hat.

 

Es ging in dieser Unterhaltung auch um Jnana-Yoga. Bis zu diesem Tag hatte ich gelernt und das aus meinen Büchern so verstanden, dass Jnana-Yoga der intellektuelle Weg, der Weg der Denker und Philosophen ist. Ich dachte bis zu diesem Tag, dass die großen Philosophen aller Zeiten Jnana-Yogis waren. Sie beschäftigten sich mit den Fragen: Wer bin ich? Wer oder was ist der Impuls, der Leben schafft? Und all die anderen Fragen, die irgendwie bis heute noch niemand so richtig beantworten konnte. Im Grundsatz haben sie zwar einen Konsenz gefunden, jedoch scheint es für keinen befriedigend zu sein. Warum wird sonst immer noch philosophiert? Vermutlich, weil Philosophie dann doch reine Theorie und nicht praktische Erfahrung und nicht für jeden wiederholbar ist.

 

Im Yoga wird das Studium der alten Schriften, der Upanishaden und Veden, als der Weg des Jnana-Yogas allgemein verstanden. Die Vedanta (wörtlich übersetzt „Ende des Wissens“) ist der Grundtext und Teil der Upanishaden, der für den Jnana Yoga die Grundlage bildet. 

Jetzt ist Jnana-Yoga aber nicht einfach so ein „herum philosophieren“… Es ist, wie fast immer im Yoga, ein System, das unseren Geist fordert und formt.

 

Vier Schritte bilden den Weg der Erkenntnis: Hören, Nachdenken, Meditieren, Verwirklichen. Sind diese vier Schritte erfolgreich bewältigt, dann erscheint dem Yogi die Erkenntnis über das wirkliche Sein.

 

1) Das Hören der Weisheit. Am besten von einem, der die Erkenntnis über das wirkliche Sein schon erlangt hat.

 

2) Eigenes Nachdenken über das Gehörte, die Kontemplation. Hier entstehen im Idealfall Zwiegespräche zwischen dem Schüler und dem Lehrer (so wie ich es Anfang Dezember hatte).

 

3) Meditation über den vorherigen intellektuellen Zugang des Hörens und der Kontemplation. Es entsteht dann intuitiv ein erweitertes Verständnis über das Gehörte und die bereits daraus ergebenden Gedanken. Die Anwendung der Erkenntnis, hinein in das tatsächliche Leben, gehört unbedingt als Schritt auf diesem Weg dazu. Beispiele hierfür sind z. B. angewandte Nächstenliebe, Achtsamkeit gegenüber sich selbst und seinen Mitmenschen, Respekt usw. Daher ist Jnana-Yoga ein sehr praktischer Weg und bei weitem nicht so theoretisch, wie man das anfangs meinen würde.

 

4) Verwirklichung: Hier werden alle Fragen vollens beantwortet und der Jnana Yogi erkennt und erfährt die Wahrheit. Genauer, er erkennt sein eigenes Selbst. Und das geschieht nicht im Außen, auch nicht durch einen Lehrer. In dieser Stufe des Jnana-Yogas wird einem Samadhi (Erleuchtung) durch die göttliche Gnade "geschenkt". Der Yogi taucht ein in das AllEinsSein, erlangt vollkommenes Bewusstsein.

 

Vielleicht haben Sie ja schon einmal von Jiddu Krishnamurti gehört. Einem in den 80gern verstorbenen indischen Weisheitslehrer. Er galt einmal als der neue Messias und war Vorstand der Theosophischen Gesellschaft. 1929 hat er diese aufgelöst, da er in einer weltberühmten Rede sagte, dass die Wahrheit nur jeder in sich selbst finden kann. Kein Lehrer oder Guru, keine Religion, Organisation oder Sekte kann das jemals für einen Menschen übernehmen. Glaube/Gott/Wahrheitsfindung ist etwas zu tiefst persönliches. Er hat sich selbst abgesetzt, um er selbst zu sein! Krishnamurtis Schriften und Texte sind sensationell! Ich liebe sie und habe noch viel zu wenige davon gelesen! Der Mann ist gelebte Freiheit!

 

Jnana-Yoga ist also nicht der Weg des Wissens, bei dem man in seinem Verstand Wissen ansammelt, sondern der Weg der Wissenden!

 

Und ein Wissender ist einer, der die Erfahrung des AllEinsSein als Mensch bereits erfahren hat und daher Wissen und Erfahrung über das vollkommen göttliche Bewusstsein hat. Philosophiert man nämlich einfach nur so herum, dann entfernt man sich von der Erkenntnis. Der Verstand, mit all seinen Konditionierungen, lässt nur sehr schwer etwas zu, das nicht mit dem Abgespeicherten im Unter-/Unbewusstsein übereinstimmt.

 

Jnana-Yoga ist der Weg der Erkenntnis. In der Vedanta (der Hauptschrift dieses Weges aus den Upanishaden) zieht sich schon fast mahnend der Hinweis, das Ritual zu Gunsten der individuellen Suche nach Wahrheit aufzugeben. Es ist nahezu das Gegenteil von Bhakti-Yoga, in dem die Verehrung und Hingabe (durch Rituale) an das Göttliche zelebriert wird. Jnana-Yoga geht den Weg zur Einheit durch Hören, Kontemplation und Meditation, die von einer Ethik der Liebe und Güte regiert und geprägt ist. Der suchende Yogi geht diesen Weg in dem Wissen, dass ihn grenzenlose Glückseligkeit erwartet, die ihm durch die Gnade geschenkt wird.

 

Jnana-Yoga ist sicherlich der schwierigste und anspruchsvollste Weg, der ohne Lehrer wohl kaum zu gehen ist.

Ein Zusammensein mit einem bereits Wissenden, der seine Erkenntnisse und Erfahrungen teilt, nennt man Satsang. Die Schüler sitzen zu seinen Füßen, lauschen seinem Worten und stellen Fragen, welche der Wissende aus dem ihm zugänglichen vollkommenen Bewusstsein beantwortet.

 

Hier bin ich schon wieder einmal skeptisch... Googelt man Satsang, findet man ein unglaubliches Angebot von Satsangs aller Art. Erstaunlich, wieviele Erleuchtete dann doch schon unter uns weilen und sich gleichmütig den harten Amplituten der irdischen Dualität bereits entziehen können und weise Antworten finden. Vermutlich täusche ich mich... aber warum beschleicht mich ein so seltsames Gefühl, dass es bei den meisten "Anbietern" nicht echt ist....?

Ich bin mir sicher, dass es viele weise Menschen auf Erden gibt. Die bescheidenen, leisen sind mir die liebsten.

 

Meine am Beginn dieses Artikels beschriebene Begegnung mit einem indischen Yogi war für mich mein erster Satsang. Es war großartig. Ein wahrlich weiser, bescheidener und zuvorkommender Mensch ohne das Bedürfnis sich laut in den Vordergrund rücken zu müssen oder sein Wissen und seine Erfahrung ungefragt über alle hinabregnen lassen zu müssen. Seine Antworten und Anweisungen für mich waren kurz, sachlich, klar, präzise und logisch. Ohne Schuschu, Esoterik oder hinduistisch religiöser Argumentation. Ganz im Gegenteil, er ermahnte mich in der westlichen Mystik und in meiner Kultur sein. Meine Hausaufgabe ist dort zu bewältigen, wo ich aufgewachsen und geprägt worden bin. Ich habe fast schon ein "Verbot" bekommen, mich weiter mit den indischen Schriften zu beschäftigen, da mir die europäischen, christlichen Mystiker, ab jetzt auf meinem Weg, deutlich einfacher Inspiration geben können, als die kulturfremden hinduistischen Gottheiten. Diese Klarheit, Weite und Freiheit hat mich bei ihm besonders fasziniert und macht ihn für mich zu einem wirklichen Lehrer. Von dieser Begegnung werde ich immer tief berührt sein.

 

Daher bin ich einfach verwirrt über die Weisheitsverkündungen der Esoteriker, die ihre Posts in den sozialen Netzwerken wie Feenstaubkonfetti unentwegt verstreuen... es fühlt sich für mich nach angehäuftem Wissen und nicht nach Wissen durch Erfahrung an. Wären die alle wirklich tief wissend, weil tatsächlich eins im AllEinsSein, dann müsste das Zusammenleben auf dieser Welt doch wirklich liebevoller, achtsamer und deutlich gewaltfreier sein. Wir würden aufhören unseren Planeten auszubeuten, andere für den einzig wahren Weg missionieren wollen und eigene Bedürftigkeiten nicht mehr auf Kosten anderer befriedigen.

Herrlich... wie still wäre es dann auf unserer Erde, wie gesund wäre folglich die Erde...? Wir hätten das Paradies auf Erden!

 

Anderer Seits... so ein bisschen Feenstaubkonfetti und Regenbogenfarben machen das Leben ja auch nicht schlechter, aber leichter, auf Dauer, bestimmt auch nicht!

 

Na dann... raus aus der (gedanklichen) Komfortzone - rein in die Freiheit!

Herzliche Grüße

Nikola Knecht

 

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Was wirklich äußerst schade ist, da ich mich über die Likes und Kommentare immer soooo gefreut habe!

Kommt aber wieder... sobald ich das technisch im Griff habe!WAuf

 Weder stelle ich Diagnosen, noch gebe ich Heilversprechen oder erstelle Therapievorschläge.

Die hier veröffentlichten Texte spiegeln ausschließlich die persönliche Meinung und Erfahrung der Autorin wieder.

Die Autorin hofft mit Ihren Texten bei den Lesern eine kritsche Selbstreflektion und eigene,

frei Meinungsbildung anzuregen, die in ein eigenverantwortliches Handeln führt.

Getreu dem Grundgedanken der Autorin:

Raus aus der Komfortzone - rein in die Freiheit!

P

PKK

Anschrift Räumlichkeiten

Geistiges Heilen, Bewusstwerdungscoaching & Yoga,

Schlossermauer 33, 86150 Augsburg

 

 

Autorin, Dozentin & Referentin, StartUP Coaching für Geistige Heiler

Schwibbogenplatz 2e, 86153 Augsburg, Telefon: +49 171 7502590, Email: nikolaknecht@posteo.de

Finanzamt Augsburg Stadt, Steuer-ID-Nr. 85 302 416 739

 

Internetseiten: www.nikola-knecht.de, www.abjetztmeinleben.de und www.heilundfreisein.de

nanzamt Augsburg Stadt, Steuer-ID-Nr. 85 302 416 739

 

Bilder von Nikola Knecht mit freundlicher Genehmigung von:

Photografin Fotocoach/Imagedesign Orhidea Briegel www.orhideal-image.com, Rechte Bilder: Nikola Knecht und San Esprit Ltd. Frabertsham

Texte: Alle Rechte liegen bei Nikola Knecht, Schwibbogenplatz 2e, 86153 Augsburg