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Raja Yoga, Patanjali, Hatha Yoga Pradipika und die unterschiedlichen Yogastile

 

Im Raja Yoga gibt es wieder Schriften, auf die sich die Yogaübenden beziehen, bzw. die als Anleitung dienen um dem Ziel von Yoga (Eins werden mit dem unendlichen Bewusstsein = Erleuchtung = Samadhi) näher zu kommen oder es zu erreichen.

 

Für mich persönlich ist meine wichtigste Schrift das Yogasutra nach Patanjali. Eine Sutre ist ein Leitfaden, eine Art Satz, der die Essenz einer Information wiedergibt. Die Sutre alleine ist ohne Lehrer quasi nicht zu verstehen, da der Informationsgehalt so komplex ist. Dieser Patanjali war ein Yogaweiser, der irgendwann zwischen 2. und 4. Jhd. nach Christi Geburt gelebt haben soll. Er war der erste, der diese 195 Sutren aufgeschrieben hat. Bis dato wurden diese nur mündlich weitergegeben. Wollte jemand bei einem Yogameister in Ausbildung gehen, dann musste er zuerst diese 195 Sutren auswendig lernen. Erst dann fing der Guru an jede einzelne zu unterrichten. Da diese Sutre nur eine Essenz ist, braucht es die Hilfe eines (erweckten) Lehrers, der die Tiefe und Weiter jeder dieser einzelnen Informationsessenzen erklären und unterrichten kann.

 

Patanjalis Sutren beschreiben vollkommen religions- und esoterikfrei die Beschaffenheit unseres menschlichen Geistes, die Entstehung der Gedanken und eine Methode die Gedanken so zu beherrschen, dass diese nicht den Menschen beherrschen. Gelingt es die Meisterschaft über die eigenen Gedanken zu erlangen, dann wird Samadhi (Erleuchtung, AllEinsSein) geschenkt. Erinnern Sie sich, beim Raja Yoga geht es um die Beherrschung des Geistes. Das ist die einzige Aufgabe in dieser vierten und letzten großen Yogarichtung.

 

Für mich ist das Yogasutra nach Patanjali das erste Psychologiebuch der Welt und bis heute uneingeschränkt gültig. Ich besitze mehrere Auslegungen und alle zusammen ermöglichen mir mehr und mehr ein Verständnis über die Grundursache von Leid und Krankheit und das immer wieder aufs Neue, obwohl ich mich schon seit 14 Jahren intensiv mit Yoga beschäftige.

 

In den Sutren finden wir nun endlich auch die Yoga Asanas. Aber das wird ein extra Kapitel. Das wird lustig… Wird vollkommen anders werden, als Sie es sich gerade vorstellen. Weiter geht es in den Sutren um den Atem und um Meditation und ihre möglichen Auswirkungen. Hier finden wird dann die ersten Belege für das Geistige Heilen.

 

Die zweite Schrift ist die Hatha Yoga Pradipika. Ein regelrechtes Regelwerk mit Unmengen von Techniken für den physischen und den energetischen Körper, sowie enorm vielen Erklärungen. Zum Beispiel über die Chakren, Nadis (Energiebahnen) usw. Diese Schrift ist ein Quell an originaler und unveränderter Erklärungen für das Körper-Geist-Seele-System. Und wer das alles befolgen mag, der sollte sich tatsächlich nach einer preisgünstigen Höhle im indischen Gebirge umsehen, denn das braucht alles Zeit. Ich übe das Wenigste davon, aber ich mach das mit der Erleuchtung eh erst im nächsten Leben (... hab ich mich mir so überlegt).

 

Ist Raja Yoga der Überbegriff für die Beherrschung des Geistes, so gibt es auch hier wieder Unterteilung in verschiedene Richtungen oder Schwerpunkte, die jedoch alle das selbe Ziel (Erleuchtung) haben. Wenn Sie bereits Yoga „machen“ (…mit der Matte zur Yogastunde flitzen um mal nen bisschen was für sich zu "machen"), dann kommt oft die Fragen „was machst du denn für ein Yoga?“ Und hier hört man dann oft Hatha Yoga. Das ist die älteste Form des Übens nach den Sutren von Patanjali.

 

Die traditionellen Yogarichtungen, die sich auf Patanjali beziehen, sind Sivananda Yoga (nach Swami Sivananda), Ashtanga Yoga (nach Patabis Jois) und Iyengar Yoga (nach B.K.S. Iyengar). Vorallem die beiden letzt genannten kommen aus der direkten Linie von Patanjali, da sie mit dem Yogaweisen Krishnamacharia (er hat Pajanjali in die heutige Zeit "gebracht") sogar verwandt waren und noch persönlich von ihm gelernt haben. Alle sind inzwischen verstorben.

 

In die gleiche Ecke gehören auch folgende eher junge Yogastile, die alle in den letzten 5 bis 20 Jahren entstanden sind und letztlich alle auf die eben genannten Yogis zurückführen:

Vinjyasa Yoga ist die Bezeichnung für eine fließenden und dynamische Asanaabfolge, im Gegensatz zum klassischen Hatha Yoga, da werden die Asanas bewusst länger gehalten.

Prana Yoga Flow (californisch/USA fast schon ein wenig "tanzend", auf jeden Fall hip und meisterhaft insziniert...)

Yin Yoga (noch sehr jung, mehr auf Dehnung ausgelegt und da spielen die chinesischen (!) Meridiane eine Rolle…. ????)

Anusara Yoga (präzise und fast "physotherapeutische" Ausrichtung des Körpers, aber auch energetische Herzöffnung und mag man dem Skandal der Presse glauben - beim Erfinder selbst auch eine "Hosenöffnung"...!!! sh. www.stuttgarter-zeitung.de vom 28.04.12 )

Power Yoga (recht lässig, kraftvoll, ehrlich und undogmatisch - der Founder gibt offen zu Fleisch zu essen und macht keinen Hehl daraus...)

Bikram Yoga (hier übt man bei fast 40 Grad, schwitzt wie Schwein und wenn man nicht genau so unterrichtet wie der Herr Bikram das lizenziert vorgibt als Franchise-Unternehmen, dann muss der Studiobetreiber angeblich ne fette Strafe zahlen... ???? sh. www.spiegel.de vom 02.05.2011)

Jivamukti Yoga (sehr hipp, Size Zero, Tattoos, irgendwie auf indisch gemacht und total vegan…)

Kundalini Yoga (da muss man nen weißes Tuch oder nen weißen Turban tragen, weil das Kronenchakra ... na, die sind fast schon alle erleuchtet ....???)

Chakra Yoga (da geht es speziell um die Chakren, yap jaaa.. da kommt mal extra ein Blog über Chakren, dann verstehen Sie meine Skepsis)

Chi Yoga (mal schnell das chinesischen TCM mit dem indischen Ayurveda kombiniert und wuuups, was Neues mit Copyright)

Spirit Yoga (die Erfinderin macht mir persönlich beim Anblick schon ein bisschen Angst, wirbt mit zeitgemäßem Yoga)

und noch "Blablabla Yoga" und sonstige copyright & brandnamed Yogastile, die letztlich alle zum Ziel haben, einer Marketing gewieften Person oder Organisation ein feines Auskommen zu ermöglichen. Sorry…. Ist so….

 

Und in der hippen Yogaszene haben sich alle furchtbar lieb, weil ja alles eins und mit einander verbunden ist und nein, keiner predigt Wasser und trinkt Wein oder propagandiert veganes Essen (... "eine handvoll Sprossen reicht mir") und wird dann beim (Fleisch)Grillen gesichtet (...sorry, kein Witz) oder spricht von seinem starken Willen gegen Süchte und braucht dann mal ne Zigarettenpause... oder der Ehemann einer Schülerin dann der Freund der Yogalehrerin wird.... (auch hier kenne ich die Personen persönlich). Es geht mich nichts an, es soll auch nicht wertend sein. Ich möchte nur zeigen, dass in der heiligen Yogawelt überall Menschen sind. Das bitte niemals vergessen!

 

Bedenken Sie, dass Yoga heute ein Milliardengeschäft ist und in nur ganz wenigen Fällen etwas mit dem ursprünglichen, traditionellen Yoga zu tun hat. Ich persönliche finde den Yoga an sich so zeitlos, dass ich eine permanente neu Anpassung um Abhebung zu generieren, ablehne.

Schon immer wurde der Yoga an den Menschen angepasst und nicht der Mensch musste sich an Yoga angleichen. Die heutige Yogaindustrie muss einfach Umsatz generieren. Früher lebten die Yogaleher sehr bescheiden, fast ärmlich... Nicht dass das so sein muss... aber, ach .... Ich habe jedenfalls unter anderem deswegen aufgehört Yogastunden zu halten und Yogalehrer auszubilden, da es mir heute wie ein höher, schneller, weiter vorkommt, anstatt ein achtsamer, tiefer, bewusster... Jetzt gibt es Yoga-Retreats (Workshops zur Selbstreflektion) im Schloss Elmau bei Garmisch. Gucken Sie da mal auf die Preisliste für Übernachtungen... nen Schnäppchen... In einem Schloßambiente kann man sicher auch besser meditieren und deswegen sind reichlich Stellen vor dem Komma. Aber vermutlich gelingt die Erleuchtung in edlem Umfeld einfach leichter (... ich merke mir das dann für´s nächste Leben, wenn ich das mit der Erleuchtung dann echt in Angriff nehme!)

Und in Indien ist Yoga inzwischen übrigens auch längst ein Geschäft geworden... Ich war dort noch nicht, Kollegen waren jedoch schon vor Ort und da ist Yoga auch längst ein Industriezweig geworden.

 

Meine Bitte ist einfach: Bleiben Sie wach und in einem gesunden Maß kritisch. Glauben Sie nicht alles, was Sie sehen, finden Sie Ihren eigenen Weg und stehen Sie dazu, dass wir alle Menschen sind. Daher runter mit dem moralischen Zeigefinger und überzogenen Erwartungen!

 

Jeder Schüler findet seinen Lehrer - jeder Lehrer seinen Schüler. Alte Yogaweisheit.

 

Ein direkter Nachfolger aus der Linie von Patanjali, T.K.V. Desikachar schreibt in seinem Buch „YOGA Heilung von Körper und Geist jenseits des Bekannten“ (Theseus Verlag) über seinen berühmten Vater Krishnamacharya, dass der Yoga ein Geschenk Indiens an die Menschheit ist…

 

Ein Geschenk, das in der heutigen Zeit so manch einer teuer verscherbelt, scheint mir….

 

Viele Kurse sind überfüllt. In Ausbildungen sind bis zu 100 Schüler im Raum (... ich war dabei...) und es ist mir unbegreiflich, wie da ein Lehrer wirklich Lehrer sein kann und seinen Schüler auf dem zu tiefst transformierenden Weg begleiten kann. Es ist einfach nicht möglich. Ein weiterer Grund, warum ich aufgehört habe Yoga in Gruppen zu unterrichten. Es ist einfach nicht möglich. ES IST NICHT MÖGLICH!

 

Früher lief das 1 zu 1 und das ist gut so. Die Tochter meiner lieben Freundin und Kollegin war in so einer "Massen-Ausbildung" und hatte ein mystisches Erlebnis. Keiner konnte ihr dort behilflich sein. Sie rief mich an und ich betreute sie von der Ferne aus... Da waren Lehrer vor Ort, die Yogalehrer ausbilden und dann macht es Pling bei einem Schüler und keiner kann damit umgehen oder begleiten? Ich verstehe das nicht !!!!

 

Herrjeeee, ich verstehe soooo Vieles nicht !!!!!

 

Heute bekommt quasi jeder Klient von mir Yogaunterricht, ohne dass er es mitbekommt... ein Geschenk :-) Und meine Klienten wissen, sie können mich jeder Zeit kontaktieren.

 

Aber selbstverständlich gibt es ganz großartige Yogalehrer und es sind wieder einmal die Stillen, Leisen, die NICHT auf den großen, hippen, stylischen Yoga-Conventions in Messehallen zu finden sind und die neuesten Yogahosen für 119,- € anhaben...

 

Die einzelnen Yogarichtungen unterscheiden sich in Tradition und somit in Schwerpunkt auf körperliches oder mehr mentales Üben und haben das selbe Ziel. Somit ist in dem riesen Angebot der heutigen Zeit sicherlich für jeden etwas zu finden und wenn es etwas unbequem und anstrengend wird an seine Grenzen zu kommen, dann kann man ja einfach wechseln… wäre ja blöd, wenn die Komfortzone auf einmal keinen Komfort mehr bieten würde….

 

Ich plädiere ja für …

na dann… raus aus der Komfortzone – rein in die Freiheit!

Herzliche Grüße

Nikola Knecht

 

 

PS:

Ich möchte hier einmal erwähnen, dass Sie bisher noch nicht einmal gelesen haben, dass da eine Guru, ein Meister oder sonst wer kommt und „Pling“ macht und einem alle Probleme abnimmt und löst. Gerade beim Raja Yoga kommt das überhaupt nicht vor!!!!

 

Auch wenn es der ein oder andere Leser nicht mehr lesen mag… FREIHEIT ERLANGEN SIE NUR, WENN SIE SELBST DAFÜR SORGEN! Keiner kann Ihnen das abnehmen! Lehrer sind dafür da, dem Schüler zu helfen leichter in die Erfahrung einzutreten. That´s it. Nothing more!

 

Adresse Räumlichkeiten: Schlossermauer 33, 86150 Augsburg

 

 

Weder stelle ich Diagnosen, noch gebe ich Heilversprechen oder erstelle Therapievorschläge.

Meine Begleitung ersetzt keinen Besuch oder eine Behandlung bei Angehörigen der Schulmedizin.

Die hier veröffentlichten Texte spiegeln ausschließlich die persönliche Meinung und Erfahrung der Autorin wieder.

Texte und Bilder: Alle Rechte liegen bei Nikola Knecht, Schwibbogenplatz 2e, 86153 Augsburg

 

Nikola Knecht, Schwibbogenplatz 2e, 86153 Augsburg, Deutschland

Telefon: +49 171 75 075 90, Email: nikolaknecht@posteo.de

Finanzamt Augsburg Stadt, Steuer-ID Nr. 853 024 167 39

 Fotos Internetseite von Fotografin Katharina Gessner www.katharinamariagessner.de

 

Einzelne Bilder sind von Fotografin Ordhidea Briegel, Orhdeal Image Magazin www.orhideal-image.com

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