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Yamas – Ethische Regeln im menschlichen Miteinander

 

Die Yamas und Niyamas gefallen mir besser als die 10 Gebote. Denn bei „du sollst nicht…“ ist Scheitern bereits impliziert und das finde ich per se schon mal echt demotivierend. Das klingt im Ashtanga viel besser. Wir beginnen mit den Yamas – den ethischen Regeln im menschlichen Miteinander.

 

Die jeweiligen Definitionen für die einzelnen Verhaltensweisen stammen aus dem Buch Über Freiheit und Meditation, Das Yoga Sutra des Patanjali von T.K.V. Desikachar aus dem Vianova Verlag und sind kursiv geschrieben:

 

AHIMSA - Gewaltlosigkeit

Überlegtes und behutsames umgehen mit allem was lebt, besonders mit Lebewesen, die hilflos sind oder die sich in Schwierigkeiten befinden. Je behutsamer ein Mensch handelt, desto mehr werden andere Menschen in seiner Gegenwart liebevolle Gefühle empfinden.

 

Das hat Ghandi mit seinem gewaltlosen Widerstand gemacht…

Ahimsa wird auch oft mit „nicht töten“ übersetzt. Da isses schon wieder, mein Problem. Was ich alleine schon Insekten bei der Gartenarbeit nicht wissend umgebracht habe… das kann gar nix mit der Erleuchtung werden mit all dem miesen Karma…

 

Aber die o.g. Definition regt zu einem bewussten Handeln und Denken an. Denn auch Gedanken (!) haben eine Wirkung und Worte erst recht. Worte können enorm verletzend sein. Da dürfen wir sicher alle noch überlegter und behutsamer werden… Der behutsame Umgang mit unserem Essen ist ein wichtiger Punkt und Ahimsa gilt als Begründung für vegane Ernährung. Ahimsa beim Konsumieren hilft behutsam mit unserem Planeten Erde umzugehen. Ahimsa kann aber auch bedeuten einen bewaffneten Erpresser, der 20 Geiseln hat zu verletzen oder noch mehr, um 20 Menschenleben zu retten.

Man könnte ewig über Ahimsa reden.

 

SATYA - Wahrhaftigkeit

Aufrichtige Verständigung durch Sprache, Gesten und Handlungen. Wahrhaftigkeit im täglichen Umgang.

 

Satya bedeutet die Fähigkeit zu haben im Umgang mit Menschen ehrlich zu sein. Aber Ehrlichkeit kann auch verletzen. Satya beinhaltet somit auch das nötige Feingefühl und Empathie zu besitzen und dies auch anzuwenden. Dafür ist eine besondere innere Haltung von Klarheit notwendig. Um die zu erlangen, können Yoga-Asanas helfen ein Verständnis und Gefühl dafür zu entwickeln. Erkläre ich dann zu gegebener Zeit.

 

ASTEYA - Nichtstehlen

Wenn ein Mensch nichts begehrt, was anderen gehört, so werden andere Menschen alles mit ihm teilen wollen, wie kostbar es auch immer sein mag.

 

Asteya entspricht unserem „du sollst nicht stehlen“ aus den 10 Geboten. Damit ist nicht nur Diebstahl von Materiellem gemeint, auch von Geistigem Eigentum. Deswegen steht oben die Quellenangabe für die Erklärungen der einzelnen Verhaltensweisen. Hätte ich das nicht getan, wäre es wie Stehlen gewesen. Ein Verhalten gegen Asteya ist ebenso die Ausbeutung der Erde durch jeden einzelnen von uns. Jedes Handy und jeder PC raubt der Erde kostbare Rohstoffe. Ich befinde mich aktuell im eindeutigen Verstoß gegen Asteya, da ich diesen Block auf einem Laptop schreibe, der Edelmetalle aus unserer Mutter Erde hat, die nicht regenerierbar sind und ich eines Tages damit auch noch den Elektroschrottberg erhöhe… jaja… ich weiß schon… es geht aber darum ein Bewusstsein und Feinfühligkeit zu erlangen. Würden wir das alles tun, ginge es unserer Mutter Erde bedeutend besser. Die mächtigen Konzern- und Geldbesitzer leben durch den Konsum… Weniger Konsum wäre ein Anfang. Man braucht nicht jedes neue Handymodell…

 

Auch hier könnte man ganz Bücher füllen… Ich empfehle „Der überflüssige Mensch“ oder "Homo Deus" zu lesen. Nichts für in Goldstaub badende Esos….

 

BRAMACHARYA - Enthaltsamkeit

Nichtbegehren oder die Fähigkeit uns von dem Wunsch nach Dingen, die uns nicht gehören zu lösen. Durch Mäßigung wird ein Mensch die gesamte Kraft und Vitalität, die in ihm ruht, erfahren.

 

So leicht ist der Übergang von Asteya zu Bramacharya, von Nichtstehlen zu Nichtbegehren.  Aber Bramacharya ist noch viel mehr! Und auch hier ist der materielle Aspekt nur eine von vielen. Es ist anwendbar auf unsere Ernährung, auf unseren Sport, auf die Arbeit, einfach auf alles. Sogar auf die Spiritualität. Denn wenn man etwas mit zu großer Intensität macht, können Probleme verursacht werden. Bei der Arbeit – Burnout. Beim Sport – Verletzung. Bei der Ernährung – z.B. Magersucht. Bei der Spiritualität – Bezugsverlust zum MenschSEIN. Alles nur Beispiele. Yoga bedeutet auch Harmonie. Im Gleichgewicht entsteht eine unglaubliche Kraft. Alles Extreme, egal in welche Richtung, raubt uns eher Kraft, als dass sie uns gegeben wird. Wenn wir uns aus der stetigen vermeintlichen Erfüllung von Must Have´ s befreien entsteht Ruhe und in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft.

 

Bramacharya bedeutet aber auch Unbestechlichkeit… und mal ehrlich, haben wir nicht alle schon mal etwas getan, um einen kleinen Vorteil zu bekommen? Eine Nettigkeit, die dann eine Eintrittskarte für ein Event nach sich zog? In manchen Berufsgruppen geht das weit über eine kostenlose Kinokarte hinaus. Ein Geschenk jedoch, das ohne Hintergedanken geschenkt wird, ist absolut okay und kann freudvoll angenommen werden. Aber mal ehrlich… Wenn man ein Geschenk erhält, das einen Gegenleistung erwartet… boahhh… Sie kennen das blöde Bauchgefühl dazu? Ich möchte das nicht. Weder so ein Geschenk, noch das Bauchgefühl.

 

Bei Enthaltsamkeit denken wir u. U. auch an sexuelle Enthaltsamkeit. Durchaus ein Aspekt. Die sollte aber ohne Stress passieren… Stress führt ins Ungleichgewicht. Ist auf dem spirituellen Weg der innere Rückzug für einzelne Menschen von sehr großer Bedeutung, dann wird diese an sich nach außen gerichtete sexuelle Energie sublimiert und in eine nach innen gerichtete feinstoffliche Energie gewandelt. Yap, richtig, Tantra und Kamasutra und das muss nicht einmal sein. Das Buch „Spiel des Bewusstseins“, die Biographie von Swami Muktananda, beschreibt u.a. das genannte durch reine Meditation OHNE Kamasutra. Ich schweife ab… weiter mit Aparigraha.

 

APARIGRAHA - Unbestechlichkeit

Mäßigung in all unserem Tun. Jemand, der sich auf das beschränken kann, was er braucht und was ihm zusteht, fühlt sich sicher. Ein solcher Mensch findet Zeit zum Nachdenken und er wird ein vollkommenes Verständnis von sich selbst gewinnen.

 

Je mehr materiellen Besitz wir haben, umso mehr müssen wir uns darum kümmern. Oder, wir müssen so viel mehr Geld verdienen, dass wir jemanden einstellen, der sich um unseren Besitz kümmert. Aber das ist ja auch eher ein nach oben schrauben, als eine Mäßigung. Ich habe mal in einem wirklich großen Haus gewohnt. Mit einem riesigen Garten. War wirklich schön. Die Arbeit immens! Heute wohne ich mit meinem Mann auf 70 qm – nie wieder anders! Und es ist genauso, wie oben beschrieben: ich habe so viel Zeit für mich, zum Reflektieren und Nachdenken, zum gedanklichen Austausch und dadurch zum bewussten Entwickeln und Entdecken meiner selbst. Das ist mir heute, im aktuellen Lebensabschnitt, viel wichtiger, als ein großes Haus mit Garten und einem fetten Auto…

 

Alles nicht wirklich neu… alles schon einmal gehört oder irgendwo gelesen… Ja, es ist nicht sonderlich kompliziert. Wir wissen das ja alle irgendwie, oder? Warum fällt es so vielen denn immer nur so schwer? Patanjali beschreibt das ganz ganz großartig in seinen Sutren.

 

Um es ganz kurz zusammenzufassen: 1) wir leben als Mensch in der Dualität 2) haben vergessen, dass wir ursprünglich Einheit/Harmonie/vollkommenes Bewusstsein sind 3) wir werden geprägt durch Umfeld, Zeit, Kultur 4) wir geraten dadurch noch mehr in das Vergessen darüber, was wir tatsächlich sind – so… das ist doch jetzt logisch, dass da irgendwie Leid entsteht, oder?

 

Yoga zeigt einen Weg raus aus dem Leid, aus der Komfortzone. Schritt für Schritt. Erster Schritt – mal ein bissal aufmerksam sein, wie man so mit seinem „Außen“ umgeht… Das ist Yama.

 

Viel Spaß dabei :-) und…

 

… raus aus der Komfortzone – rein in die Freiheit!

Herzliche Grüße

Nikola Knecht

 

Adresse Räumlichkeiten: Schlossermauer 33, 86150 Augsburg

 

 

Weder stelle ich Diagnosen, noch gebe ich Heilversprechen oder erstelle Therapievorschläge.

Meine Begleitung ersetzt keinen Besuch oder eine Behandlung bei Angehörigen der Schulmedizin.

Die hier veröffentlichten Texte spiegeln ausschließlich die persönliche Meinung und Erfahrung der Autorin wieder.

Texte und Bilder: Alle Rechte liegen bei Nikola Knecht, Schwibbogenplatz 2e, 86153 Augsburg

 

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