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Niyama – der Umgang mit sich selbst

 

Das Außen können wir nicht ändern, aber die Yamas helfen uns es besser zu verstehen und geben einen Ansatz zur Veränderung in unserem Umgang damit. Wie leicht zeigen wir auf andere und sagen: ja der aber, der macht dies und das….! Und wenn wir dann bei uns selbst ehrlich nachschauen und reflektieren, na dann… besser mal die Klappe halten und erst einmal für sich selbst die Vollendung der Yamas üben…

 

Ich beziehe mich ja gerne mal auf die Bibel, damit wir den Kontext zu unserer Kultur nicht verlieren: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ (Johannes 8, Vers 7) oder „Was siehst du aber den Splitter in deinem Bruder Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“ (Matthaeus 7, Vers 3). Daran sollen wir immer denken. Wir sind Mensch und wir machen Fehler. Aber es wird leichter, wenn man sich bewusst wird, dass so manche Fehler relativ einfach vermieden werden könnte. (Bin übrigens echt überrascht, wieviel aus meiner Konfirmationszeit und meinem evangelischen Religionsunterricht übriggeblieben ist. Offensichtlich ne starke Prägung! :-) )

 

So, nun geht es um die Niyamas – der Umgang mit uns selbst.

 

Die Erklärungen kommen wieder aus dem Buch Über Freiheit und Meditation, Das Yoga Sutra des Patanjali von T.K.V. Desikachar aus dem Vianova Verlag und sind kursiv geschrieben:

 

SAUCA - Reinheit

Reinheit, die sich auf unseren Geist, unseren Körper und unsere Umgebung bezieht. In dem Maße, in dem sich Reinheit in uns entwickelt, werden wir übermäßige Sorge um die vergänglichen Aspekte unseres Körpers aufgeben und einen angemessenen Umgang im Kontakt mit anderen Menschen finden.

 

Ahhh.. da denken alle gleich zuerst an regelmäßige Körperhygiene… Ja, auch wichtig! Alleine deswegen schon, weil dadurch Krankheiten vermieden werden, aber das sollte ja selbstverständlich sein!

 

Aber Reinheit kann sich beispielsweise auch auf die Reinheit der Gedanken beziehen… Gedankenhygiene – kein RTL-Trash ansehen, sich nicht halbstündig mit Radionachrichten und Werbung zuballern lassen, keine „Friseurzeitungen“ wie Bunte oder Gala lesen und sich über die Schicksale der Promis das Maul zerreißen und vor allem sich nicht ständig von den ausschließlich negativen Nachrichten der großen Sender und Zeitungen die gute Laune verderben lassen. Es ist doch nun bewiesen, was eine dauernde Berieselung von solchem Input mit uns macht!

 

Über die Sinne nehmen wir unendlich viel Info auf –  die legen sich in den Koshas/Geist ab – unsere Handlungen werden daraus geprägt… Ich habe seit Jahren keinen Fernseher mehr, höre digitales Musikradio ohne Werbung und Nachrichten und lese anstatt Bücher, von denen ich das Gefühl bekomme, dass sie mich weiterbringen. Ich habe das unbändige Bedürfnis in mir, mich immer weiter „zu entwickeln“… Yoga... Entwicklung… Kundalini… da kommt noch mehr :-) Na, jedenfalls hab ich echt Spaß in meinem Leben und treffe an sich nur nette Menschen. Hatte schon lang kein Doofi mehr um mich… ich kann mich echt nicht erinnern… Herrlich!

 

SAMTOSA – Bescheidenheit

Bescheidenheit und Zufriedenheit die darauf beruht, dass wir mit dem glücklich sind, was wir haben und nicht ständig etwas vermissen, das wir nicht haben. Tiefe Zufriedenheit lässt uns grenzenloses Glück erfahren.

 

Jaaaa… ich freue mich auch, wenn ich mir etwas Neues kaufe – logo, warum auch nicht? Das Problem wäre, wenn ich mir immer etwas Neues kaufen muss, damit ich glücklich bin! Es ist ein gehöriger Unterschied, ob ich mir etwas kaufe, WEIL ich glücklich bin oder ob ich mir etwas kaufe DAMIT ICH GLÜCKLICH WERDE! Das ist im Hauptsächlichen mit Samtosa gemeint. Gerade in unserer westlichen Kultur und heutigen Zeit suggeriert die Werbung, dass nur das neueste Handy uns jetzt wirklich glücklich machen kann und der neueste Porsche alle meine Probleme löst und ich mit dem Kauf des Porsches auch so aussehe, wie der schnieke Porschefahrer in der Werbung… der offensichtlich gar keine Probleme hat… Ein endloses Unterfangen, das uns herrlich im Konsumrad gefangen hält! Wenn es gelingt eine innere Zufriedenheit mit dem zu erlange, mit was wir haben, dann ist das enorm stressreduzierend! Ich verpuffe meine Energie und Aufmerksamkeit nicht mehr nach außen auf materielle Vergänglichkeiten. Ich gebe zu, es ist anfänglich anstrengend… aber bei meinem Mann und mir ist es schon fast zu einer Art Spiel geworden, sich aus diesem Konsumrad zu ziehen. Unglaublich, wie viel Zeit für anderes entsteht – wirklich beglückend und wir werden immer zufriedener, je weniger wir haben.

 

TAPAS – Disziplin

Das Verringern von Hindernissen im Geist und Blockaden im Körper führt dazu, dass sich unsere körperlichen Funktionen in einem harmonischen Gleichgewicht befinden. Disziplin bezieht sich hier vor allem auf Körper- und Atemübungen, auf unsere Ernährung, Schlaf und den Umgang mit Arbeit und Erhohlung.

 

Tapas bezieht sich in erster Linie auf die Ausübung der Asanas (körperlichen Haltungen im Yoga). Wörtlich bedeutet es aus dem Sanskrit übersetzt „den Körper erhitzen“. Die körperliche Disziplin sollte folglich dazu führen, dass sich der physische Körper erhitzt, das innere Feuer entfacht wird, wir zum Schwitzen kommen und somit Schlacken und Ablagerungen im Körper verbrannt werden. Aber auch die Ernährung sollte dem entsprechend mit Tapas vorgenommen werden, damit wir den Körper schon nicht so arg zumüllen. Aber es ist auch die Reinigung der Gedanken, des „Psychomülls“ gemeint, das ja bei Sauca /Reinheit angesprochen wurde. Durch Tapas, Disziplin im Umgang mit uns selbst, können so körperliche und geistige Einschränkungen/negatives Denken vermindert werden. Somit ist ein Überdenken aller Alltagstätigkeiten sicherlich nicht von Nachteil und eine Umstrukturierung oftmals ein echter Gewinn. Und jeder, der an Neujahr gute Vorsätze hat weiß, wie diszipliniert man sein muss, damit sich diese erfüllen…

 

SVADHYAYA – Reflektion

Das Studieren und das wiederholte Überprüfen unserer eigenen Entwicklung. Durch intensives Studieren und Suchen nach Weisheit entwickelt sich eine Verbindung zu höheren Kräften. Dadurch entsteht in uns tiefes Verstehen selbst von äußerst komplexen Dingen.

 

Wie man am besten über sich selbst reflektiert kann ich beim besten Willen nicht empfehlen. Das ist total unterschiedlich. Ich lese viel und tausche mich mit meinen Vertrauten aus. Die dürfen mir auch die nicht so tollen Sachen über mich sagen, die ich gerne negieren würde. Es ist sehr heilsam Menschen um sich herum zu haben, die einen freundlich, aber bestimmt, auf den Boden der Tatsachen zurückbringen. Spätestens jetzt macht Yoga gar keinen Spaß mehr… Es ist einfach nicht toll den Dreck aus der Laterne oder den Ramsch aus dem alten Bauernschrank heraus zu kramen… Es macht einfach keinen Spaß, bis eben alles schön hübsch und für einen selbst passend ist. Auf diesem Weg erkennt man seine Talente und Stärken, die bisher versteckt waren. Wir werden zu dem was wir bereits sind und immer mehr erschließt sich ein Verstehen, bei dem Grenzen zunehmend verschwinden. Alles ist dann möglich. Jetzt macht Yoga unfassbar viel Spaß :-)

 

ISHVARAPRANIDHANA – Gottvertrauen/Urvertrauen

Ehrfurcht gegenüber einer höheren Kraft oder das Annahmen unserer eigenen Begrenztheit im Vergleich zu der Allwissenheit Gottes. Durch die Verehrung Gottes wächst die Fähigkeit in uns, jedes gewählte Objekt in seiner Vollkommenheit zu erkennen.

 

Hier ist einer der ganz wenigen Stellen in den 195 Sutren, bei denen Patanjali das Wort Gott verwendet. Als Christin immer noch geprägt, kommt mir sofort der Gedanke an einen Gott, der außerhalb von mir ist und ich „nach oben“ zu einem Wesen hin ehrfürchtig sein müsste. Dann ist glücklicher Weise sofort eine lebendig Erfahrung für mich da, die ich machen durfte. Und da war nix, was über mir war… das war in mir drin… Daher ersetze ich für mich die Worte Ehrfurcht und Gottvertrauen in Demut und Urvertrauen in das Große/Ganze, in das AllEinsSein, vollkommene Bewusstsein.

 

Und immer mehr fühle ich, dass alles mit allem verbunden ist. Das führt mich dazu mein Verhalten hier auf Erden mehr und mehr in Achtsamkeit und Respekt mit mir selbst und allen anderen zu führen. Ahimsa, Nichtverletzten und alle anderen Yamas und Niyamas greifen nun ineinander und bedingen einander. Keiner der Regeln ist von den anderen zu trennen. Bereits jetzt ist schon die Einheit zu spüren. Ich empfinde das als wunderschön… Auch wenn es kaum einen Tag gibt, an dem ich nicht feststelle, dass es für mich selbst noch so viel zu verbessern gibt. Aber es ist nicht entmutigend für mich, sondern es spornt mich an. Denn die meisten meiner Veränderungen führen für mich dazu, dass ich noch freier, glücklicher und klarer werde. Ich „entwickle“ mich selbst und bewusst.

 

Was der Bezug zu „entwickeln und Entwicklung“ im Yoga genau bedeutet, kommt beim Thema Karma. Aber das dauert noch ein wenig…

 

Bis dahin, viel Spaß beim Entwickeln und…

 

…raus aus der Komfortzone – rein in die Freiheit!

Herzliche Grüße

Nikola Knecht

 

Adresse Räumlichkeiten: Schlossermauer 33, 86150 Augsburg

 

 

Weder stelle ich Diagnosen, noch gebe ich Heilversprechen oder erstelle Therapievorschläge.

Meine Begleitung ersetzt keinen Besuch oder eine Behandlung bei Angehörigen der Schulmedizin.

Die hier veröffentlichten Texte spiegeln ausschließlich die persönliche Meinung und Erfahrung der Autorin wieder.

Texte und Bilder: Alle Rechte liegen bei Nikola Knecht, Schwibbogenplatz 2e, 86153 Augsburg

 

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